Tag der Burgen
Tag der Burgen
29.06.2008
Heute steht ein Auto zu Verfügung. Dieses ist sehr hilfreich für die Besichtigung von drei unterschiedlichen Anlagen. Mich begleitet ein südafrikanischer Antriebskollege.
Nach Frühstück um 7 Uhr fahren wir über die Autobahn nach Ceyhan. Dort steht auf einem Berg von weitem sichtbar eine kleinarmenische Festung aus dem 12. Jh. Auf dem Parkplatz vor dem Burgzugang verlangt man 3 TRY, dafür kostet die Burg selbst keinen Eintritt. Wie üblich für die Türkei ist nichts näher touristisch erschlossen. Die Anlage verfügt über eine Vor- und Hauptburg und ist noch recht gut erhalten. Die Aussicht von hier reicht weit über die Ebene der Cukurova.
Die Reise geht weiter nach Anavarza, wo uns die Überreste einer römischen Ansiedlung inklusive Stadion, Theater und Burg. Es ist für einen Westeuropäer fast unglaublich wie die Relikter vergangener Epochen einfach im Felde herumliegen. Dem türkischen Bauer scheint es egal wo er sein Feld bestellt. Da verwundert es nicht, dass jeder Einheimische anscheinend eine private Sammlung römischer, byzantinischer und weiterer Münzen besitzt. Ein solcher Einheimischer nimmt uns in Empfang, als wir zum Fuß des Burgfelsens vorfahren und drückt uns einen offiziellen Flyer zu den lokalen Sehenwürdigkeiten in die Hand. Ohne jegliche Aufforderung spielt er sich nun als „Führer“ auf, auch wenn sich sein Englischvokabular auf ein Dutzend Worte beschränkt. Zusammen mit ihm beginnen wir den Aufstieg über präzise ausgearbeitete römische Stufen, vorbei am Theater. Die Sonne steht gerade im Zenit und uns läuft der Schweiß in Strömen aus dem Körper – es herrscht extreme Hitze. An der ersten Burgmauer oben angekommen, setzt sich mein Kollege zum Entspannen in den Schatten, während ich die Erkundung der Anlage starte. Aufgrund der Größe benötige ich dafür eine gute Stunde. Der Einheimische folgt mir nach ein paar Minuten, wirft ab und zu ein paar Worte wie „roman“ oder „armenia“ in den Raum und stört mehrfach das freie Blickfeld für die Kamera.
Beim Abstieg zeigt der Führer uns römische Gräber. Wir bedauern die Sklaven, die in damaliger Zeit all diese mühseligen Arbeiten vollrichten mussten. Selbst ein Fußbodenmosaik findet man hier im Freien vor.
Als wir wieder kurz vor dem Auto sind, präsentiert der Türke uns sein begehrtes Honorar. Da er kein englisch kann, tippt er die Zahl in sein Handy ein. 70 TRY erscheinen auf dem Display. Ein schlechter Scherz, auf den ich erstmal schwer lachen muss. Etwa 35 € fordert da ein sog. Führer für etwa 1,5 Stunden unaufgeforderte, inkompetente, nicht englischsprachige Begleitung. Neben unserem Fahrzeug saß während der Besichtigung jemand, der darauf aufgepasst hat (völlig unnötig). Wir beschließen beiden zusammen 10 TRY zu geben. Mein Kollege reicht dem Führer dann zunächst 5 TRY, die dieser an den „Wächter“ weitergibt. Ich will ihm dann weitere 5 TRY geben, die er aber dann ablehnt. Er scheint auf seine 70 zu bestehen. Er will uns weiter zum Museum führen. Wir haben von der Vorstellung die Nase voll. Ich besichtige noch einen Triumphbogen in Sichtweite, mein Kollege nimmt wieder im Schatten Platz, während der Führer seinen „Lohn“ einfordern will. Als wir ins Auto steigen wollen, sagt der „Wächter“, dass 20 ein fairer Preis sei. Wir haben für die türkische Abzockerei, der schon etliche Kollegen zum Opfer fielen, keine Toleranz übrig und verweisen darauf, dass man Preise vorher anzukündigen hat und ohne Aufforderung auch keine Bezahlung erwartet werden kann. Genug Worte verloren, hinein ins Auto und nichts wie weg hier. Eigentlich schade, denn es hätte noch ein Aquädukt und etliche Ruinen gegeben.
Mein Kollege ist nun ziemlich angefressen und ich staune erneut über die dumme Kurzsichtigkeit. Ich kann ihn allerdings noch zu einer weiteren Besichtigung überreden. Diese führt uns nach Yumurtalik ans Meer. Auf dem Weg dorthin passieren wir Melonenfelder, den Endpunkt der Erdölpipeline aus dem Irak und etliche Steinbrüche – die Türken verstehen es ihre Landschaft zu verschandeln indem sie statt einem großen wirtschaftlichen Steinbruch viele kleine an verschiedenen Bergen errichten.
Yumurtalik – ehemals Ayas – ist ein kleiner Badeort mit einem schönen und gut besuchten Sandstrand vor historischer Kulisse. Einer armenischen Burgruine am Ufer steht nämlich 100 m im Wasser eine weitere Ruine entgegen. Hätte ich Badesachen mitgeführt, wäre diese schwimmerisch erreichbar gewesen.
Wir treten nun die Rückreise an und erreichen rechtzeitig das Hotel. Um 20:30 Uhr treffe ich mich mit Kollegen um zum Haus unseres Chefs zu fahren, wo sich fast alle Deutschen versammeln um gemeinsam über einen Beamer das EM-Endspiel zu verfolgen. Das Spiel läuft leider nicht erfolgreich, dafür war die Burgentour heute ein Highlight.