auf den Spuren der Kreuzritter
Auf den Spuren der Kreuzritter – Payas und Toprakkale
15.06.2008
Bildergalerie Payas
Bildergalerie Toprakkale
Da mein koreanischer Kollege und Reisegefährte abgereist ist und sonst niemand Pläne in nach meinem Interesse hat, geht es heute auf eigene Faust los. Neben vollkommener Unabhängigkeit bedeutet das auch, dass kein Weg zu weit ist und man auch mal einen Blick fürs Detail haben kann.
Als Ziel habe ich mir die alte Karawanserei (was ist das?), Kreuzfahrer-Burg und Turm in Payas und die Ruinen von Issos gesetzt. Ich bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, was das Reisen aber wesentlich stilechter macht und einen deutlichen Unterschied zum Strandtouristen zeichnet.
In Iskenderun steige ich also in einen Dolmus nach Payas. Dolmuse haben etwa die Größe eines Ford Transit und sind die unterste Stufe des türk. Bussystems. Sie fahren recht langsam daher und man kann diese per Handzeichen vom Straßenrand aus anhalten.
Payas ist der Ort meiner Arbeitsstätte, den ich aber bisher nur von der kurzen Fahrt zum mittäglichen Restaurant kenne. Im Zentrum abgesetzt nehme ich eine vielversprechende Straße in Richtung Meer, denn dort müssen irgendwo die historischen Stätten liegen.
Nach einigen Fußminuten stehe ich vor einem in dieser Größe nicht vermuteten Kastell. Obwohl ich zur offiziellen Öffnungszeit dort zugegen bin, sind Burganlage und Karawanserei geschlossen. Nur der Innenhof der Moschee ist zugänglich.
Die Spurensuche geht weiter zu einem Turm, der vermutlich auch von den Kreuzfahrern stammt. Vom Obergeschoss eröffnet sich ein weiter Blick auf das Mittelmeer. Beim Inspizieren des Bauwerkes fällt mir dann noch eine Hochspannungsleitung ins Auge, die in Greifnähe etwaiger Besucher vorbeiführt. Auch die Ausführung der Verkabelung ist abenteurlich.
Ich entscheide mich nun für eine Pause über Mittag am Strand um evt. am Nachmittag Glück mit einer geöffneten Burganlage zu haben. Heute bin ich mit Sonnencremeschutz unterwegs, da mich der heftige Sonnenbrand im Nacken von der Bergwanderung nun doch zu solchen Maßnahmen veranlasst hat. Somit habe ich nichts zu befürchten während ich mich für gut eine halbe Stunde am Strand niederlasse und aufs Meer und seine Wellen starre.
Die Uhr weist etwas nach halb zwei auf, auf zur Burg. Und tatsächlich, die komplette Anlage ist nun geöffnet. Beim Besteigen der gut erhaltenen Mauern kann man sich gut vor Augen führen wie es damals Zuging bei der Verteidigung gegen die Moslems. Doch ich bleibe heute nicht siegreich, denn plötzlich invasiert eine Horde türk. Schüler das Gelände. Somit nehme ich die Karawanserei im Schnelldurchgang mit und laufe zurück zur „Bushaltestelle“.
Dort sitzen ein paar Männer herum und ein Busfahrer, der auf Kundschaft wartet. Ich halte meine handgezeichnete Karte hin und zeige auf Epiphania (=Issos). Bus nach Osmaniye soll ich nehmen. Nach ein paar Minuten fährt ein solcher vor und mit mir wieder los.
An einem Kreisverkehr weist ein Schild nach Issos. Da ich nichts vom Aquädukt in Fußreichweite sehen kann, bleibe ich sitzen. Einige Kilometer später taucht dann auf einem Hügel eine gewaltige Burg aus und ich muss nicht lange zögern um spontan am nächsten Gehöft auszusteigen. Nach einem erheblichen Umweg gelange ich zur Anlage. Ein Einheimischer aus dem zugehörigen Dorf begleitet mich und ich staune nicht schlecht, als dieser mir seine Münzsammlung zeigt. Auf seinem Ackerland fand er im Schweiße seines Angesichts römische, armenische, griechische und byzantinische Münzen und Ringe.
Selbiger Bauer spricht sogar ein paar Brocken englisch und führt mich auf der Burg etwas umher. Die Festung mit großen Ausmaßen verfügt über Außerverteidigungsanlage, 12 Türme und Tunnel. Leider verstehen es die Türken nicht, eine solche Anlage angemessen zu präsentieren und zu pflegen. An der Zufahrtsstraße finde ich eine öffentliche Müllablagerung wie vielerorts vor.
Gegen 17:30 Uhr verlasse ich den Burgberg und steige zur Straße hinab. Hier kann man nun einfach per Handzeichen einen Minibus anhalten. Da aber bis zum Fußballspiel noch ausreichend Zeit ist und ich sonst nichts mehr vor habe, gehe ich noch etliche Kilometer an der wenig befahrenen Straße entlang Richtung Süden. Bei Anbruch der Dämmerung stoppe ich dann einen Bus – diesmal ein komfortabler Minibus mit Fernseh, auf dem Harry Potter auf türkisch läuft. Etwa 40 Minuten später steige ich in Iskenderun aus und spüre nun deutlich die schätzungsweise 20 km Laufstrecke von heute.
Die Fahrtkosten für den Bus betragen auf der Hinfahrt 2,50 + 4 TRY und auf der Rückfahrt 5 TRY.